Wenn Chopin die Leidenschaft packt
Packende Kammermusik vom Klaviertrio Würzburg im Bürgersaal
Peter Strehmel, in:
Segeberger Zeitung, 13.01.2005
Erneut erklang Frédéric Chopin - nun aber sein Klaviertrio, das wie ein Wechselspiel jugendlicher Leidenschaften wirkte. Es begann romantisch mit etwas feurigem Schwung, dann folgten leichte und heitere Momente, ehe es im dritten Satz wehmütig und sehnsüchtig wurde. Zum Schluß war es wie bei einer glücklichen Liebesgeschichte: Happy End mit jauchzendem Frohlocken. Katharina Cording spielte virtuos mit lebhaftem und weit ausholendem Bogenstrich, Karla-Maria Cording war bei kraftvollem und dynamischem Tastenschlag sehr konzentriert, und Pulc sprühte vor Energie, schien aber auch in sein Spiel versunken zu sein... Mit Bedrich Smetanas Klaviertrio bewiesen die drei Musiker, daß sie ein gutes Gespür für Gefühle in der Musik haben. Smetana schrieb das Stück unter dem Eindruck des Todes seiner gerade viereinhalb Jahre alten Tochter. Die anfängliche Verzweiflung war in schluchzender Geige und hämmerndem Klavier spürbar. Doch die Trauer löste sich langsam auf in neue Lebensfreude. Zwischendurch erklangen - wie Erinnerungsfetzen - Kinderlied-artige Melodien. Dem Klaviertrio Würzburg gelang es wunderbar ergreifend, diese Emotionen umzusetzen, so daß das Publikum nach mehr verlangte. Als Zugabe gab es einen Satz aus einem Klaviertrio von Ludwig van Beethoven. Das ruhige und besinnliche Stück war genau das Richtige, um nach dem dramatisch-gefühlvollen Smetana wieder zum Alltag zurückzukehren.

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