Ein beschwingter und zauberhafter Kammermusikabend im gut besuchten Kapitelsaal in Bad Mergentheim bildete den vorläufigen Abschluss der diesjährigen Museumskonzertsaison, die nun in die bis Oktober währende Sommerpause tritt. Das Klaviertrio Würzburg, ein seit drei Jahren bestehendes, mittlerweile renommiertes und viel beschäftigtes Nachwuchs-Ensemble, das mit seinem Namen jenem Ort Reverenz zollt, wo es seine ersten Meriten erworben hat, gab mit seiner Vorstellung von drei Standardwerken der klassischen Trioliteratur eine Demonstration herausragender Kompetenz im Verein mit jugendlich unbeschwerter, unmittelbar ansprechender Musizierfreude auf der Basis vorgeschrittener Virtuosität.
Verfeinerter Klangsinn, rhythmische Inspiriertheit und ein ausgeprägter Sinn für die inneren Maßverhältnisse einer Komposition sind offenbar weitere Qualitäten dieser Formation, in denen die beiden Schwestern Karla-Maria und Katharina Cording (Klavier bzw. Violine) mit dem Cellisten Peer-Christoph Pulc konzertieren, gute Voraussetzungen also vor allem für die Interpretation klassischer und romantischer Triowerke.
Dabei zeigte sich zunächst vor allem Karla-Maria Cording als eine Klaviervirtuosin von ungewöhnlichem Rang, die mit ihrer brillanten und bezwingend mühelosen Geläufigkeit, mit der sie schon bei dem eingangs gespielten G-Dur Trio von Mozart aufhorchen ließ, als stets zuverlässige Stütze und fester Orientierungspunkt des Ensembles fungierte. Das dreisätzige Werk aus seinen späten Jahren gehört sicherlich nicht zu den gewichtigsten Kammermusikwerken des Meisters, eine seiner typischen Gelegenheitskompositionen in eine von ihm nicht gerade bevorzugten Gattung, doch der natürliche, unprätentiöse Ansatz des Klaviertrios Würzburg war gerade recht, um die im Konventionellen verborgene heitere Anmut dieser Musik spürbar werden lassen.
Sie passte zusammen mit dem bewusst stilisierten Erscheinungsbild der Musiker, zumal den historisierenden Biedermeier-Anspielungen bei den Schwestern Cording, so recht zum genius loci des Kapitelsaals wie auch das folgende Programm des Abends mit zwei Standardwerken von Schubert und Mendelssohn, die dann schon von anderem Kaliber waren: Zunächst Franz Schuberts großes B-Dur Trio (1828) mit seinen vier gewichtigen Sätzen, die immer noch ein Prüfstein für die Kunst und das gegenseitige Verständnis einer solchen Formation bilden werden, auch für ihre Fähigkeit, längere Entwicklungen und Formzusammenhänge transparent zu machen. Das Klaviertrio Würzburg überzeugte hier mit einer erstaunlichen Reife und Abgeklärtheit, bei der die Selbstdarstellung der drei Musiker ganz hinter die Erfordernisse der Werktreue zurückgestellt wurde und dazu bei Katharina Cording und Peer-Christoph Pulc mit einer lebendigen, gewitzten und feinsinnigen Arbeit im Detail, etwa den schier endlosen harmonischen Durchgängen, Fortspinnungen und Rückführungen bei Schubert, dazu mit diszipliniertem Temperament und sorgfältig ausgefeiltem rhythmischem Profil in den raschen Sätzen. Schön war ebenfalls die intime Verhaltenheit des Andante mit dem gedämpft klagenden Cello.
Dass die drei dann im zweiten Teil des Abends noch mal gehörig auftrumpfen würden, wurde gleich zu Beginn von Felix Mendelssohn-Bartholdys Trio d-moll op.49 deutlich. Das viersätzige, hochvirtuose Werk gibt sich im Vergleich etwa zu Schubert viel spektakulärer, extrovertierter und klangprächtiger, mit hochromantischen Streicherkantilenen, einem teilweise irre schwierigen Klavierpart (exorbitant: Karla-Maria Cording) und rauschender Effektsicherheit bei größter Formvollendung des Komponierens - eben keine Musik für einen intimen biedermeierlichen Freundeskreis sondern für die Salons der musikliebenden Aristokratie jener Epoche. Das Klaviertrio Würzburg nutzte die Gelegenheit, griff der Vorlage gemäß voll in die vibrierenden Saiten und zeigte sich hier von seiner imponierend virtuosen und temperamentgeladenen Seite, mit beeindruckend satter Klangfülle, geschmeidiger Sensitivität im Andante, verblüffender Präzision im metrisch vertrackten Scherzo und entfesselt dahinflutendem Pathos im großen Finale dieser Paradenummer.
Für den Schlussbeifall bedankten sich die Mitglieder des Klaviertrios Würzburg noch mit einem langsamen Satz aus Beethovens op.1 und dem ersten Satz aus Dvoraks "Dumky"-Trio.
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