Immer wieder ist man überrascht, wie sich bei guten Kammermusik-Ensembles – und um ein solches handelt es sich beim jungen Klaviertrio Würzburg – unterschiedliche Musikerpersönlichkeiten zur Einheit fügen. Die jungen Leute konnten schon eine Reihe von Konzerterfolgen verzeichnen, als sie sich im Rahmen der Pro-Musica-Reihe im Spiegelsaal vorstellten.
Die Geigerin Katharina Cording ist von überschäumendem Temperament, energisch reißt sie den Bogen nach einer Phrase hoch, lebhafte Gestik und Mimik begleiten ihren höchst musikantischen „Auftritt“. Ihre Schwester Karla-Maria Cording am Flügel hat auch nichts gegen betonte Gesten, wirkt aber im ganzen doch überlegter, aber auch sie ist technisch voll auf der Höhe und von beherrschter Musikalität, sie ist tonangebend im Ensemble. Und das unverzichtbare Fundament bildet mit sonor warmen Ton der Cellist Peer-Christoph Pulc, der mit verlässlicher Ruhe auch durchaus energische Akzente zu setzen weiß. Diese drei kontrastierenden Charaktere ergänzen sich vortrefflich zu einer geschlossenen Einheit, die mit fulminantem Zugriff und mitreißendem Schwung zu überzeugen weiß und der man getrost eine erfolgreiche Karriere attestieren möchte.
Das Programm hatte lauter Werke slawischer Komponisten ausgesucht, bei denen neben Temperament auch viel „Seele“ gefragt war. Der Pole Chopin hat sich nahezu ausschließlich dem Klavier gewidmet, an Kammermusikwerken kennt man eigentlich nur eine Cellosonate und das eingangs interpretierte Klaviertrio g-Moll op.8. Natürlich spielt auch hier das Klavier die Hauptrolle, ohne dass der Streicherklang völlig in den Hintergrund treten müsste. Viel erinnert an Mendelssohn, den nur ein Jahr älteren Erzromantiker. Das Trio blieb dem bezaubernden Jugendschmelz des Werks nichts schuldig.
Antonin Dvorak dagegen hat sich zeitlebens immer wieder mit Kammermusik beschäftigt. Zu seinen oft gehörten Ensemble-stücken zählt gewiss das letzte seiner vier Klaviertrios, das den Beinamen „Dumky-Trio“ trägt. „Dumka“ ist eine ukrainische Tanz-Form, sie bedeutet etwa „Gedanke“ und ist vom Wechsel schwermütiger Gesangsmelodie mit schnellen rhythmisierten Formen gekennzeichnet. Genau diese jähen Stimmungsumschwünge bestimmen die Struktur von Dvoraks Trio in e-Moll op.90. Die ersten drei Sätze gehen direkt ineinander über, während die vierten bis sechsten Sätze nicht miteinander verknüpft sind, also eher Suitenform aufweisen. Die ständigen Kontraste kommen spannungsgeladen der Musizier- und Erlebniswelt des jungen Klaviertrios sehr entgegen und wurden überzeugend aus-musiziert.
Die wenigen Kammermusikwerke, die Smetana geschrieben hat, sind alle Bekenntnismusik und haben meist biografischen Hintergrund. Ansatz für das Klaviertrio g-Moll op.15 ist der frühe Tod einer Tochter des tschechischen Meisters. Die drei Sätze entbehren eines langsamen Teils, aber bis zum Dur-Abschlusses ist das ganze Opus von leidenschaftlicher Schwermut erfüllt, Aufhellungen sind selten. Mit großer Intensität gestaltete das Trio Smetanas Meisterwerk.
Dass dem jungen Trio natürlich die Welt der Klassik nicht fremd ist, bewies der als Dreingabe dargebotene zweite Satz aus Beethovens Klaviertrio op.1. Wie die hingetupften Staccati zum Satzende gerieten, so überirdisch zart, dies allein schon ließ den Besuch des Konzertabends mit dem Trio Würzburg lohnend erscheinen. Ein kostbares Weihnachtsgeschenk hatten die Pro-Musica-Veranstalter für das treue Eichstätter Musikpublikum ausgesucht, dem man gerne wieder begegnen möchte.
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