Ansteigende Spannung kongenial ausgespielt
Marcus Vitolo, in:
Münchner Merkur, 04.04.2006
Einen großartigen Konzerterfolg feierte das Klaviertrio Würzburg im Barocksaal des Tegernseer Schlosses in der Reihe „Podium für junge Solisten“ des „Freundeskreises für die Förderung junger Musiker“. Karla-Maria Cording (Klavier) Katharina Cording (Violine) und Peer-Christoph Pulc (Violoncello) berührten durch ihr feines Spiel, ihr beachtliches Können und ihr wohldosiertes Temperament. Beethovens Klaviertrio G-Dur op.1 Nr. 2 fand in seinen mittleren Sätzen zu Ausdruckstiefe und gesanglicher Hingabe: hier, im Garten des Melos des Largo con espressione bewegte sich das Ensemble traumwandlerisch beheimatet, im Scherzo - Allegro beschwingt und zielsicher.

Ein Erlebnis wurde auch die Interpretation des Klaviertrio e-moll op. 56 von Herrmann Zilcher. Die noch in den Ecksätzen Beethovens bestehende klangliche Zurückhaltung war wie weggewischt und mit Intensität und Hingabe ersetzt. Die drei Musiker spielten die spürbare Seelenzerrissenheit und ansteigende Spannung der Musik des ersten Satzes kongenial aus. Die Wärme des E-Dur Variationssatzes (über ein walisisches Volkslied) gestaltete das Trio voller Gefühl und volltöniger Zartheit und ließ die hie und da aufkommenden Momente schauriger Düsternis eingebettet in der Glut ihres zelebrierenden Elans erklingen.

In vollendeter Form bot das Klaviertrio Würzburg auch Mendelssohns Trio d-moll op. 49: Schwärmerisch, frei und energiegeladen gestaltete es die weitgespannten Linien des Molto allegro agitato, und breitete innig den Zauber der Rührung im Andante aus, den Charakter eines Lieds ohne Worte treffend. Einen flirrenden, fieberhaften Wirbelwind ließen die drei Musiker im Scherzo aufleben. Sie ließen die Töne geisterhaft im Halbschatten glitzern und funkeln wie ein Kometenschweif und verbanden sie mit dem pianissimo des Finalebeginns. Dieses Allegro assai appassionato pulsierte in rhythmischer Steigerung, den romantischen Pathos auskostend und feurig vollendend. Das musikberauschte Publikum verlangte schließlich mit gewaltigem Applaus Zugaben: Mit einem Satz aus Dvoraks „Dumky“-Trio und dem Allegretto aus Mozarts G-Dur Trio KV 564 beendete dies begnadete Ensemble den Abend.

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