Neues vom Klaviertrio Würzburg
Dr. Günter Katzenberger, in:
SV-Zeitung 07/2006
...Vor allem die von den Musikern (Katharina Cording, Violine, Peer-Christoph Pulc, Violoncello und Karla-Maria Cording, Klavier) mit besonderer Hellhörigkeit gepflegte Klangbalance läßt jederzeit ein bestechend klares, nie klangüberflutetes, damit aber stets konzentriertes Hören zu. Daß dies gerade bei Werken des 19. Jahrhunderts gelingt, die leicht von einem kaum mehr kontrollierbaren Klangrausch gefährdet werden können, ist eine der gewichtigsten Stärken des Ensembles. So läßt sich der Griff nach den großen romantischen Werken als im besten Sinn erfolgreich bezeichnen.

Schon in Mendelssohns ernstem c-Moll-Trio op. 66 besticht bei dem in einem großen Bogen durchgeformten Kopfsatz der wohltuend gezügelte romantische Impetus, der das tonliche Espressivo mehr nach innen in die Themensubstanz leitet. Im Gegensatz dazu geriet die Ausdrucksqualität des Andante espressivo liedhaft schlicht, wie es einer Art „Lied ohne Worte“ gerade angemessen ist. Umso beachtlicher dann im Scherzo die klangliche Durchsichtigkeit, das brisante Dahinhuschen, welches immer vorwärts drängt, ohne dabei an Tonsubstanz einzubüßen. Im Finale schließlich haben die Musiker es sehr wohl verstanden, Kontraste wirklich auszuspielen, Höhepunkte (wie das choralartige, an ein Chopin-Scherzo erinnernde Thema) auszukosten und damit die großangelegte Form bis zum triumphalen Schluß hin abwechslungsreich zu gestalten.

Chopins relativ selten gespieltes Trio g-Moll op. 8 wird mit jenem jugendlichen Elan vorgetragen, der dem großartigen Werk des erst 19-Jährigen voll angemessen ist. Gerade dem dramatisch bewegten Allegro con fuoco werden die Spieler in allen Schattierungen gerecht, wobei der Pianistin höchste Anerkennung gehört, die ihren abenteuerlich anspruchsvollen Part mit einer gewissen Leichtigkeit (wobei eben nicht jedes Fortissimo ernst genommen werden muß – und darf!) und durchgehaltenem Brio gestaltet, so daß ihren Partnern noch genügend Entfaltungmöglichkeit bleibt. Dasselbe gilt für die treffend nachgezeichnete Charakteristik der folgenden Sätze: das tänzerisch anmutige Scherzo, das schön ausgesungene Adagio und den volkstanz-beschwingten Schlußsatz mit seinem reizvoll stilisierten polnischen Kolorit. Damit kommt diese Interpretation Robert Schumanns Urteil über das Werk – „so schwärmerisch, wie noch kein Dichter gesungen hat ... jede Note Musik und Leben“ – erfreulich nahe.

Eine ausgesprochene Rarität entdeckt man schließlich mit der Einspielung von Liszts berühmter IX. Ungarischer Rhapsodie („Le Carnaval de Pesth“) in einer von mehreren überlieferten Instrumentationen. In diesem einsätzigen, jedoch mehrteiligen Bravorstück verstehen es die Musiker, die rhapsodisch freie Karnevals-Phantastik mit ihrer tänzerischen Rasanz und Brillanz auszureizen...

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