Intensives und mitreißendes Musizieren
Klaviertrio Würzburg im Schloss Etelsen / Franz Schuberts großes Klaviertrio als krönender Abschluss
Ilse Walther, in:
Weser-Kurier Bremen, 19.07.2006
Im Rahmen der diesjährigen Etelser Schlosskonzerte gastierte das junge Klaviertrio Würzburg mit den Schwestern Katharina Cording (Violine) und Karla-Maria Cording (Klavier) sowie dem Cellisten Peer-Christoph Pulc erstmalig in dieser Region mit Werken aus der Romantik und späten Klassik, wie sie seinerzeit in den musikalischen Salons des 19. Jahrhunderts geboten wurden.

Mit diesem auf hohem künstlerischem Niveau stehenden Trio erlebte das Publikum Sternstunden intensiven und mitreißenden Musizierens. Geigerin und Cellist verfügen über sehr warm und füllig klingende Instrumente und beherrschen sie in bewundernswerter Weise. Sie kosten deren klangliche Möglichkeiten voll aus. Beide musizieren technisch perfekt und mit blühendem, dichtem Ton. Katharina Cording präsentierte sich als einfühlsame Geigerin, die behutsam wie bestimmt führt und sich dabei stets dem gemeinsamen Spiel verpflichtet fühlt. Peer-Christoph Pulc bestach gleichermaßen durch sein adäquates Spiel, seine Soli kostete er ebenso wie die Geigerin empfindsam aus, samten in der Tiefe und geschmeidig in der Höhe.

Karla-Maria Cording ist eine ganz großartige Pianistin. Wie sie durch ihre mühelose Technik und ihren so variablen Anschlag ihre Parts gestaltet, konnte nur begeistern. Sie hatte in den drei gebotenen Werken viel Virtuoses, aber auch sehr Intensives und Nachdenkliches auszudrücken, und das machte sie einfühlend und mitgehend. Das gemeinsame, homogene Musizieren und die Freude am Gestalten und das Nachspüren von Stimmungen in der Musik machte die gebotenen Werke zu Erlebnissen.

Selten bekommt man das Klaviertrio g-moll op. 8 von Fréderic Chopin zu hören, man konnte es genießen in seiner sowohl herzhaften wie ganz empfindungsreichen Klangschönheit, hier kostete die Geigerin die verschiedenen Parts mit auch süffigem Wohlklang aus, und der Cellist wusste in gleicher Weise diese Linien weiter zu ziehen. Im Klavier bestachen glitzernde und perlende Läufe gleichermaßen wie häufige große kadenzähnliche Passagen. Das Würzburger Klaviertrio musizierte die vier Sätze farbig und mitreißend, ganz besonders hübsch war hier das richtig charmante Scherzo mit dem bezaubernden Trio. Große Expressivität legten die drei Musiker in das Adagio, und überaus spritzig boten sie das Finale mit ganz reizenden kleinen Dialogen und dann einer richtigen Stretta bis zum Finale.

Schon besonders ist die von Franz Liszt selbst für Klaviertrio bearbeitete Ungarische Rhapsodie Nr. 9 "Pesther Karneval". Da pulsierte das Leben, virtuose Passagen im Klavier wechseln mit köstlichen Kommentaren der Streicher, man erzählte in bewundernswerter Weise diese lebendige und prallvolle Musik mit ihren häufigen Tempoveränderungen, ein wahres musikalisches Feuerwerk, hinreißend gebracht. Es hielt einen kaum auf dem Stuhl.

Das große Klaviertrio Es-Dur D 929 von Franz Schubert war ein krönender Abschluss dieses umfangreichen Konzertes. Wie hier Katharina und Karla-Maria Cording und Peer-Christoph Pulc den Stimmungen in Schuberts Musik nachspürten und sie stark verdichtet in Klang umsetzten, das war bewegend und ließ in der stets wachsenden Spannung nie nach. Schon dieser empfindsame Unisonobeginn war so intensiv, und dann blühte der erste Satz auf. Im Andante klang das Klagende und Tropfende aus der Winterreise schmerzlich an, ganz reizend gestaltete das Trio das Scherzando mit seinem burschikosen Trio und bot das Allegro moderato in spielerischer Transparenz fein figuriert und dann auch kraftvoll gesteigert.

Die Zuhörer bedankten sich mit Bravorufen und begeistertem Applaus. Als Zugabe gab es den zauberhaft musizierten Finalsatz aus Mozarts letztem Klaviertrio.

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