Einen musikalischen Genuss besonderer Art verschafften am Sonntag im Wertheimer Barocksaal Klaviersolistin Karla-Maria Cording und Cellosolist Peer-Christoph Pulc, die beide wunderbar aufeinander eingespielt waren. Das mag vor allem auch daran gelegen haben, dass beide zusammen mit der Schwester von Cording, der Geigerin Katharina Cording, das
„Würzburger Klaviertrio“ bilden. Es war nicht nur eine Freude, den beiden zuzuhören, sondern auch zuzusehen, mit welch enormer Fingerfertigkeit sie ihr virtuoses Spiel bewältigten. Da glitten die Hände von Cording elegant in Zweiunddreißigstel-Läufen über die Tasten, während Pulc öfters bis in die Nähe des Stegs vor stieß und rasant von oben nach unten wechselte.
Das Programm wies fast durchwegs Werke berühmter Komponisten auf und begann gleich mit Georg Friedrich Händels beliebtem „Largo“ aus seiner Oper „Xerxes“ (1783). Diese zu Herzen gehende Arie singt der Perserprinz zum Lobe seines Lieblingsbaums, einer Platane: „Zartes Blätterdach, du trautes.“ Dem fein dosierten Vortrag der beiden Solisten muss höchste Anerkennung gezollt werden, vor allem auch der perfekten Klavierbegleitung wegen. Beim nächsten Werk („Introduktion et Polonaise brillante“ in C-Dur) von Frédéric Chopin ging es stürmischer zu. Er verstand es, in seiner Musik zarte, fröhliche, melancholische Stimmungen in einer bewundernswerten Reinheit auszudrücken, wie auch in diesem Werk, bei dem vor allem auch technisches Können gefordert ist, das Cording und Pulc sicher boten. Eingefügt sind Klavier-Soloparts und Cello-Pizzicati. Der französische Komponist Jaques Offenbach war ein Meister der heiteren Operette mit faszinierender Melodieführung und satirischem Einschlag. So hörte sich auch „Les Larmes de Jaqueline“ an im dahingleitendem Dreivierteltakt, teilweise getragen, träumerisch, nachdenklich, aber auch eindringlich. Da rutschte der Finger des Cellisten nicht nur einmal ganz nach unten. Gabriel Fauré komponierte die „Elegie“ eigens für Cello und Klavier. Dieses Werk strahlt eine große Empfindsamkeit aus, hervorragend interpretiert von den Solisten. Da waren gemächliche Piano-Stellen zu hören, aber auch aufwallendes Allegro-Tempo. Weniger bekannt ist der Komponist Georg Goltermann, dessen kurzes „La Foi“, melodisch einschmeichelnd, gefiel und bei dem der Cellist mit Doppelgriffen aufwartete. Wohl die bekannteste Komposition Camille Saint-Sasens dürfte die Suite „Karneval der Tiere“ sein, aus der „Der Schwan“, das Finale, zu Gehör gebracht wurde - elegant im Dreivierteltakt, anmutig, ganz dem Anblick dieses Tieres gerecht werdend. Der größte Violinvirtuose aller Zeiten, Niccolo Paganini, schrieb auch Variationen über ein Thema Rossinis - und dies mit virtuosen Effekten, die Pulc in souveräner Weise beherrschte, in rasanten Läufen. David Popper, österreichischer Cellist, aber in Prag geboren, war bereits mit 20 Jahren Virtuose und erster Cellist an der Hofoper in Wien. In seiner „Gavotte“ hatte er so allerhand technisch schwierige Einlagen integriert, die Pulc zusammen mit seiner Kollegin zu meistern hatte - und dies mit Bravour auswendig! Das oft schnippische Thema wurde oft wiederholt, begleitet von einem hochgradigen Klaviertremolo. Fast noch stürmischer verlief Poppers „Tarantella“, wiederum technisch aufwendig und unterbrochen von einer imposanten Klavierintervention. Auch hier kam Pulc ohne Noten aus - eine großartige Leistung.
Nach der Pause wurde die Sonate in D-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy gespielt. Dieser feinfühlige, empfindsame Komponist hatte nie wie andere Schwierigkeiten, seinem musikalischen Anliegen eine klare Form zu geben, feinfühlig wie Mozart. Gleich zu Beginn der Sonate geht das Klavier im Allegro assasi vivace in Führung, energisch, und daraus entwickelt sich eine erquickende Zwiesprache Cello-Klavier. Der zweite Satz, das Allegretto scherzando, birgt zahlreiche Themenwiederholungen und Pizzicati des Cellos, wirkt heiter. Interessant war die wellenartige, über die gesamte Klaviatur gehende Begleitung beim Adagio, vorzüglich ausgeführt von Cording. Die Melodie war voller Sehnsucht und Verlangen, öfters wurden Passagen gegenseitig wiederholt. Ohne Übergang setzte das Molto Allegro e vivace ein mit schnellen Klavier-Abwärts-Triolen.
Der Applaus, der schon nach jedem Vortrag reichlich war, wollte zum Schluss nicht enden, worüber sich die beiden Interpreten sichtlich freuten. Noch einmal erklang als Zugabe ein Largo, diesmal von Chopin.
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