Franz Schubert war kein Dompteur der großen Effekte, keiner, der Sinfonien oder Solokonzerte mit feuerschweifender Feder dem Notenblatt einbrannte. Seine Instrumental-Musik wirkt meist erst durch ihre Intimität gewaltig. Umso herausfordernder erscheint es, den ganzen Schubert jenseits des Lied-Schaffens in einer seiner Sinfonien oder Sonaten zu offenbaren. Der Geigerin Katharina Cording, am Klavier kongenial begleitet von ihrer Schwester Karla-Maria Cording, gelingt ebendies, so klangschön und berührend, wie man es nicht alle Tage hört.
Die beiden Würzburgerinnen fesselten mit Virtuosität und Empfindung. Hier zeigte nicht nur Schuberts eingängiges, mozarthaftes Rondo (D 438), welch echte romantische Gemütstiefen in ihm stecken. Diesen bisweilen verkannten Charakter versteht das Duo mit Sinn und Sinnlichkeit in den Themen und Fortführungen zu durchdringen.
So gerät auch Felix Mendelssohn Bartholdys folgende Sonate in F-Dur von 1838 zu einem Ausbund an luftiger Orchestralität – nicht zuletzt auch dank der dezenten Brillanz der Pianistin am Bechstein-Flügel – und italienischer Helligkeit, gelebt von einer Solo-Violine, die mit einem in jeder Lage strahlkräftigen, zu jeder Nuancierung fähigem Ton und dynamischer, agogischer Selbstverständlichkeit besticht.
Mit Rasanz und teufelsgeigerischen Momenten (wie bei der Hommage an den mährischen Paganini Heinrich Wilhelm Ernst, den womöglich größten Geiger des 19. Jahrhunderts, heutzutage aber eher unbekannt) fesselte Katharina Cording das Publikum. Zum Selbstzweck vergehen ihre Effekte dabei nie, sie klingen wunderbar nach.
Auch ein folkloristischer Zauberer wie Pablo de Sarasate (Spanische Tänze) und ein Tschaikowsky (Valse-Scherzo op. 34) gehen bei aller Kniffligkeit der Partitur (anstrengende Doppelgriffe, verspielte Kadenz) mit Frische, echtem Pathos und Farbenreichtum ganz besonders zu Herzen.
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