Musikalisches Geschenk
Helmut Hawlata, in:
Eichstätter Kurier, 21. 12. 2007
Das Musizieren im Klaviertrio birgt eine doppelte Herausforderung: Wie viel Solistisches darf der Interpret einbringen, wie viel hat er sich als Mitspieler unterzuordnen? Dem Klaviertrio Würzburg geht der Ruf voraus, dass es sich diesen Problemen stellt und sie überzeugend löst.

... Drei völlig gleichgestimmte und gleichwertige Partner treffen hier zusammen, die ein Werk nicht oberflächlich herunterspielen, sondern in allen Tiefen ausloten und allen Anforderungen auch technisch gewachsen sind.

Von den vier interpretierten Werken waren zwei originale Trio-Kompositionen, zwei in der Duo-Besetzung Klavier und Cello beziehungsweise Violine. Beethovens B-Dur-Klaviertrio op. 97 aus dem Jahre 1811 ist das letzte von fünf Werken dieser Gattung. Es ist dem Erzherzog Rudolf gewidmet, einem Freund und Gönner des Meisters, daher auch der Name „Erzherzog“-Trio. Die Würzburger Gäste musizierten es fast „symphonisch“ und rückten es in die Nähe der gleichzeitig entstandenen 7. und 8. Symphonie, was besonders für die beiden Ecksätze gilt; besonders gut gelang auch der liedhaft innige langsame Satz.

Tschaikowsky konnte sich lange nicht mit der Klaviertrio-Form anfreunden, erst der Tod eines Freundes gab 1881/82 den Anstoß zur Komposition seines a-Moll-Trio op. 50, das Kenner für sein bedeutendstes Kammermusik-Stück halten. Die weit gesponnene Melodik des fast 50 Minuten dauernden Trios ist elegisch gestimmt, fast alle Melodiebögen sind „abwärts“ gerichtet, was den schwermütigen Charakter des Werkes bestimmt. Aufgehellt wird die Stimmung dann in den abschließenden Variationen, aber letztlich endet doch alles in schwarzer Melancholie. Ein großes, aber wie auch bei Beethovens Opus, ein absolut „unweihnachtliches“ Werk.

Die beiden Duos gaben den Interpreten Gelegenheit, ihre technische Brillanz unter Beweis zu stellen: Chopins „Introduktion und Polonaise brillante“ für Cello und Klavier, und Henryk Wieniawskis „Fantaisie brillante“ für Violine und Klavier über Motive aus Goundos Faust-Oper.

Das vom Programm her gar nicht weihnachtliche Konzert wurde durch die glänzende Interpretation doch noch zu einem echten Weihnachtsgeschenk für die Zuhörer, die sich dafür auch mit reichem Beifall bedankten. Als Dreingabe bekam man noch einen frühen Beethoven-Triosatz zu hören.

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