Duft der großen Welt
Mozartiade Klaviertrio mit Elan
Ulrich Ostermeir, in:
Augsburger Allgemeine, 10. 06. 2008
Liszt und Chopin schlugen einen Bogen um die musikalische Kammer, ihre Klavier-Brillanz schlägt Funken und atmet den Duft der großen Welt. Kammermusik dieser Couleur ist nicht alle Tage zu hören: Ja, das Würzburger Klaviertrio überraschte im Rokoko-Saal.

Das Klavier stand im Zentrum: Karla-Maria Cording profilierte sich als Pianistin, die spielerische Leichtigkeit und technische Pointe verbindet.Chopins Klavier-Trio in g-moll entfaltete sich so expressiv vom dramatischen Fuoco über kapriziösen Scherz hin zu kantabler Adagio-Beseeltheit und einem springlebendigen Krakowiak-Finale. Katharina Cordings Violin-Leuchtkraft intensivierte dieses romantische Fluidum, Peer-Christoph Pulc respondierte mit Cello-Sonorität. (...)

Großstädtisch ist das Faschingstreiben, das Liszt in seinem Pesther Karneval bunt und ausgelassen einfing – nichts anderes als eine Version der Ungarischen Rhapsodie Nr. 9. Katharina Cording sah sich in die Nähe eines Zigeuner-Primas gerückt, der Klavier-Part voller donnernder Oktaven, Cymbal-Anklänge, Passagen-Elan und Klangballungen lag bei Schwester Karla-Maria in besten Händen; Peer-Christoph Pulc setzte sein Cello beherzt ein. Ein vitaler Bilderbogen zog vorbei: Moderato-Majestät löste sich grazil auf und führte zu Capriccio-Filigran, virtuose Aufschaukelung holte sich im Allegretto Atem, ausgelassen und hitzig kulminierte das Presto-Finale, dazwischen ein klangschönes Dolce als retardierendes Moment. Dem Trio gelang es, dieses Werk aus der Unterhaltungsmusik herauszuführen.

Mendelssohns Klavier-Trio c-moll meldete da andere Ansprüche an: Die kontrapunktische Behandlung des Allegro energico führte zur Ökonomie der Mittel, zum Postulat der Gleichberechtigung und zu einer thematischen Integration, die diesem Kopfsatz Größe verlieh, vom Trio forciert dargeboten.

Erst der Spuk, dann die Hetzjagd

Das Andante befreite sich zwar davon, wuchs aber nicht zum Pendant, erinnerte vielmehr an ein „Lied ohne Worte“. Blitzend scharf und klar war der Scherzo-Spuk getroffen, pointiert setzte sich das G-Dur-Trio von der Hetzjagd des Hauptteils ab. Wechsel-Beziehungen zu verschiedenen Themen anderer Komponisten verdichteten das Finale und wuchsen sich im Choral-Thema „Vor Deinem Thron“ zu einer Apotheose – das gewann symphonische Größe.

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