Mitten in die Seele
Brillantes Würzburger Klaviertrio begeistert mit Romantik
Thomas Hess, in:
Tauber-Zeitung/ Südwestpresse, 20. 03. 2009
Klassisch-romantische Trioliteratur für Klavier, Violine und Violoncello stand im Mittelpunkt des jüngsten, künstlerisch hochkarätigen Museumskonzerts im gut besuchten Roten Saal des Deutschordensschlosses. Zu Gast beim Museumskonzert war eine mittlerweile wohlbekannten Formation, das Klaviertrio Würzburg, in dem die Schwestern Karla-Maria (Klavier) und Katharina Cording (Violine) mit dem Cellisten Peer Christoph Pulc musizieren. Vor knapp vier Jahren hatte das gefragte Ensemble, dessen Repertoire mittlerweile mehr als 50 Werke der Gattung umfasst, hier schon einmal auf sich aufmerksam gemacht. Schon damals hatte das Trio außergewöhnliche Qualitäten demonstriert. Wie nur wenigen anderen geht es seinen Musikern vor allem darum, die geistige Substanz – oder romantischer ausgedrückt: die „Seele“ eines Werkes zu erfassen und wiederzugeben.

Joseph Haydn, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Louis Spohr, lauter Jubilare des laufenden Jahres, standen auf dem Programm, das sich epochenmäßig auf die erste Blütezeit der Gattung Klaviertrio in der zweiten Hälfte des 18. und der ersten des 19. Jahrhunderts konzentrierte.

So spielt beim eingangs gespielten Trio C-Dur von Haydn aus dem Jahr 1797 noch das Klavier die wesentlich dominierende Rolle. In dem dreisätzigen, ebenso knapp und prägnant formulierenden wie geistig beschwingten Werk lag somit das Hauptaugenmerk auf Karla-Maria Cording, die ihren Part nicht nur zuverlässig brillant sondern auch gedanklich eigenständig ausfüllte, was immer mal wieder in scheinbar Nebensächlichem, einer sehr bewusst hervorgehobenen Überleitung beispielsweise, oder der sehr variablen Dynamik zum Tragen kam. Das abschließende Presto, wundervoll locker-gelöst und temperamentsprühend musiziert, zeigte das Klaviertrio Würzburg zum ersten Mal auf dem Höhepunkt seines Könnens.

Gut vierzig Jahre später entstand das erste Klaviertrio von Louis Spohr (1784-1859), nicht nur einen Satz länger als das von Haydn sondern dem Umfang nach wesentlich gewichtiger. Der gebürtige Braunschweiger, dessen 150. Todestag im Oktober begangen wird, war einer der gefeiertsten Musiker seiner Epoche. Seine sieben Opern, vier Oratorien, zehn Symphonien, die lange zum Repertoire gehörten, gerieten im letzten Jahrhundert freilich vielfach in Vergessenheit; etwas besser erging es dem ein oder anderen Violin- oder Klarinettenkonzert und den zahlreichen Kammermusikwerken.

Dass Spohr eine große Gabe besaß, edle, erhabene Themen zu erfinden und mittels raffinierter Harmonik und Stimmführung schwärmerisch-romantische Stimmungen zu erzeugen, erweist sich auch in seinem 1840 entstandenen, ersten e-moll Klaviertrio. Andererseits zeigt seine Musik auch einen gewissen Mangel an äußerer oder innerer Spannung und Dramatik. Das Klaviertrio Würzburg ließ sich gleichwohl vorbehaltlos auf den überwiegend beschaulichen Charakter der Komposition ein und verlieh ihr damit - beispielsweise im kantilenenreichen Larghetto mit seinen lyrisch-versonnenen Dialogen zwischen Violine und Cello - jenen zauberhaft intimen, serenadenhaften Charakter, der Spohrs Kammermusik generell auszeichnet.

Der vor nun 200 Jahren geborene Felix Mendelssohn-Bartholdy, der das Programm mit seinem zweiten Trio c-moll beschloss, ist als Kammermusiker freilich von anderem Kaliber als sein von ihm durchaus geschätzter Kollege und Zeitgenosse.

Einerseits mutet er seinen Interpreten teilweise exorbitante Schwierigkeiten zu, andererseits versöhnt er sie dann wieder mit der wunderbaren Mühelosigkeit und Perfektion seiner Satztechnik, dem hinreißenden Gedankenflug seiner Erfingung und Verarbeitung, die immer aufs Neue überraschen.

Man merkte es Carla-Maria und Katharina Cording und Peer-Christoph Pulc auf ihrem Podium förmlich an, wie gerne sie den brillanten Eingangssatz mit beherztem Zugriff und satter Tongebung sinnlich gegenwärtig machten, mit erlesenem Geschmack (mit Katharina Cordings Geige an führender Stelle) der romantischen Ausdruckswelt des Andante Gestalt verliehen und sich nach einem geisterhaft vorbeihuschenden Scherzo sich in das spektakuläre und klangopulente, leidenschaftlich wogende Finale stürzten, das in dem ingeniös eingefügten feierlichen Choral „Vor Deinen Thron tret‘ ich hiermit“ gipfelt.

Mit einer großzügig bemessenen Zugabe, dem langsamen Satz aus Brahms Trio c-moll, bedankte sich das ebenso sympathische wie außergewöhnliche Ensemble für den sehr herzlichen, lang anhaltenden Beifall im Roten Saal.

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