Klassisch-romantische Trioliteratur für Klavier, Violine und Violoncello stand im Mittelpunkt des jüngsten, künstlerisch hochkarätigen Museumskonzerts im gut besuchten Roten Saal des Deutschordensschlosses. Zu Gast war eine mittlerweile wohlbekannten Formation, das Klaviertrio Würzburg, in dem die Schwestern Karla-Maria (Klavier) und Katharina Cording (Violine) mit dem Cellisten Peer Christoph Pulc musizieren. Vor knapp vier Jahren hatte das noch junge, 2001 gegründete Ensemble hier schon einmal auf sich aufmerksam gemacht.
Joseph Haydn, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Louis Spohr, lauter Jubilare des laufenden Jahres, standen auf dem Programm, das sich epochenmäßig auf die erste Blütezeit der Gattung Klaviertrio in der zweiten Hälfte des 18. und der ersten des 19. Jahrhunderts konzentrierte. In dieser Zusammenstellung waren nicht nur die Entwicklung des typischen Klangbildes der Trioformation sondern auch die gesteigerte Bedeutung von Ausdruckswerten, wie sie den Beginn der Romantik kennzeichnen, gut zu verfolgen.
So spielt beim eingangs gespielten Trio C-Dur von Haydn aus dem Jahr 1797 noch das Klavier die wesentlich dominierende Rolle, was sicher auch damit zusammenhängt, dass dieses Werk auf die Fähigkeiten einer damals prominenten, mit ihm bekannten Pianistin zugeschnitten war. In dem dreisätzigen, ebenso knapp und prägnant formulierenden wie geistig beschwingten Werk lag somit das Hauptaugenmerk auf Karla-Maria Cording, die ihren Part nicht nur zuverlässig brillant sondern auch gedanklich eigenständig ausfüllte, was immer mal wieder in scheinbar Nebensächlichem, einer sehr bewusst hervorgehobenen Überleitung beispielsweise, oder der sehr variablen Dynamik zum Tragen kam. Das abschließende Presto, wundervoll locker-gelöst und temperamentsprühend musiziert, zeigte das Klaviertrio Würzburg zum ersten Mal auf dem Höhepunkt seines Könnens.
Gut vierzig Jahre später entstand das erste Klaviertrio von Louis Spohr(1784-1859), nicht nur einen Satz länger als das von Haydn sondern dem Umfang nach wesentlich gewichtiger. Dass Spohr eine große Gabe besaß, edle, erhabene Themen zu erfinden und mittels raffinierter Harmonik und Stimmführung schwärmerisch-romantische Stimmungen zu erzeugen, erweist sich auch in seinem 1840 entstandenen, ersten e-moll Klaviertrio. Andererseits zeigt seine Musik auch einen gewissen Mangel an äußerer oder innerer Spannung und Dramatik, auch an belebenden Kontrasten, was das Zuhören bei den vier - dank vieler Reprisen zeitlich ausgedehnten - Sätzen streckenweise zu einer Geduldsprobe macht.
Das Klaviertrio Würzburg ließ sich gleichwohl vorbehaltlos auf den überwiegend beschaulichen Charakter der Komposition ein und verlieh ihr damit - beispielsweise im kantilenenreichen Larghetto mit seinen lyrisch-versonnenen Dialogen zwischen Violine und Cello - jenen zauberhaft intimen, serenadenhaften Charakter, der Spohrs Kammermusik generell auszeichnet.
Der vor nun 200 Jahren geborene Felix Mendelssohn-Bartholdy, der das Programm mit seinem zweiten Trio c-moll beschloss, ist als Kammermusiker freilich von anderem Kaliber als sein von ihm durchaus geschätzter Kollege und Zeitgenosse. Man merkte es Carla-Maria und Katharina Cording und Peer-Christoph Pulc auf ihrem Podium förmlich an, wie gerne sie den brillanten Eingangssatz mit beherztem Zugriff und satter Tongebung sinnlich gegenwärtig machten, mit erlesenem Geschmack (mit Katharina Cordings Geige an führender Stelle) der romantischen Ausdruckswelt des Andante Gestalt verliehen und sich nach einem geisterhaft vorbeihuschenden Scherzo sich in das spektakuläre und klangopulente, leidenschaftlich wogende Finale stürzten, das in dem ingeniös eingefügten feierlichen Choral gipfelt.
Mit einer großzügig bemessenen Zugabe, dem langsamen Satz aus Brahms Trio c-moll, bedankte sich das ebenso sympathische wie außergewöhnliche Ensemble für den sehr herzlichen, lang anhaltenden Beifall im Roten Saal.
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