Stimmige Balance
Thomas Hitzemann, in:
Neue Osnabrücker Zeitung, 14. 10. 2009
Im Renaissance-Saal des Ledenhofs sitzen die Musiker des „Trios Würzburg“ so eng mit ihren Zuhörern zusammen wie Mitglieder eines Orchesters. Doch dieses Klaviertrio braucht eine Distanz, um als Einheit zu verschmelzen. Ihre Klangbalance stimmt.

Bei Joseph Haydns Trio C-Dur, Hob. XV:27 perlt der Klavierpart von Carla Maria Cording genauso kantabel, wie die Geige ihrer Schwester Katharina singt, oder das Cello von Peer-Christoph Pule. Vor allem den Frohsinn des Rondos mit seinen knappen Motiven stellen die Musiker druckvoll in den Mittelpunkt ihrer Interpretation.

Bei Felix Mendelssohn Bartholdys Trio c-Moll op. 66 sind sie im ersten Satz ‚Allegro energico e con fuoco‘ noch nicht fähig, alle Kräfte zu bändigen, die sie hervorlocken. Welch ein Brodeln und Brausen, was für ein wogendes Meer von Tönen tritt da zutage! Am besten gelingt das rhythmisch gleichförmige Scherzo, bei dem Violine und Cello ihre Kräfte bündeln.

Louis Spohrs Trio B-Dur op. 133 eröffnet eine unerwartete Sicht. Engagiert, aber nur versteckt emotional, duettieren Geige und Cello. Das Klavier wirkt ausgleichend und nie als störender Dritter. Diese ausnehmend höfliche Konservation zu dreien musiziert das „Trio Würzburg“ in vollendetem Anstand und voller Grazie. Man hört eine von allzu persönlichen Gefühlen des Komponisten gereinigte Musik, in sämtlichen vier Sätzen entspannend, wohltuend und geistvoll, eine Musik, die in unserer von Hektik geplagten Zeit gar nicht aufhören sollte zu klingen.

Wer neben diesem zweiten Kammermusikabend auch den ersten gehört hatte, erhielt einen Überblick über deutsche Kompositionen für Klaviertrio von 1750 bis 1950. Insgesamt hatte das „Trio Würzburg“ Werke von Haydn, Spohr, Mendelssohn, Schumann, Brahms und Hermann Zilcher im Programm.

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