Schlosskonzert: Das Trio Würzburg interpretierte Kammermusik der romantischen Epoche
Zu einem wunderbar runden und ausgewogenen, homogen und organisch lebendig musizierenden Kammermusikensemble hat sich das Klaviertrio Würzburg in den neun Jahren seines Bestehens entwickelt. Eine Demonstration dieser Qualitäten erlebten die Zuhörer beim jüngsten Schlosskonzert im recht gut besuchten Tauberbischofsheimer Rathaussaal, wo die Schwestern Karla-Maria (Klavier) und Katharina (Violine) Cording und der Cellist Peer Christoph Pulc die laufende Konzertsaison mit einem Programm beschlossen, das ausschließlich der Kammermusik der romantischen Epoche gewidmet war.
Standardwerke von Robert Schumann und Antonin Dvořák standen im Mittelpunkt des Abends, der durch zwei Duo-Piècen von Frédéric Chopin und Heinrich Wilhelm Ernst wirkungsvoll ergänzt wurde - eine willkommene Gelegenheit für die drei, sich stärker als im Verband üblich solistisch zu profilieren.
Feinsinnige Tongebung
Dazu diente zunächst die eingangs gespielte „Introduktion und Polonaise brillante in C-Dur“ von Chopin, ein bezauberndes Frühwerk für Klavier und Violoncello, entstanden noch vor Chopins Übersiedlung von Warschau nach Paris im Jahr 1832. Die einleitende, noble und romantisch empfindsame Cellokantilene mündet in eine volkstümlich unbeschwerte Polonaise mit noch klassisch gezügeltem Temperament.
Bemerkenswert, wie die pianistisch brillante Karla-Maria Cording und ihr Partner Peer Christoph Pulc mit feinsinnigem, kultivierter Tongebung den natürlichen Fluss und die innere Logik der Komposition im Auge behielten - bis hin zur leichthändig dargebotenen virtuosen Coda.
Die musikalische Aussage - und weniger das zirzensische Moment - stand auch im Mittelpunkt bei Katharina Cordings Interpretation der „Otello-Phantasie“ von Heinrich Wilhelm Ernst (1814-1865).
Ernst war einer der am meisten bewunderten Violinvirtuosen seiner Zeit, ebenbürtiger Zeitgenosse Paganinis, und dazu ein talentierter Komponist, der sich in seiner Phantasie für Violine und Klavier allerdings nicht von Verdis bekannter Oper sondern von der 70 Jahre früher entstandenen „opera seria“ aus der Feder Gioacchino Rossinis inspirieren ließ.
„Assisa da pie d'un salice“ heißt eine bekannte Arie aus dieser Oper, hier hinreißend edel gesungen und koloriert von Solistin Katharina Cording, die auch bei den hochvirtuosen Passagen des Stücks mit imponierendem Selbstbewusstsein agierte. Schwerpunkt des Abends blieben freilich zwei Werke fürs Trio-Ensemble, zunächst Robert Schumanns Klaviertrio d-moll op.63. Schumann hat mit diesem viersätzigen Werk ein klassisches Meisterwerk für die Gattung Klaviertrio insgesamt geschaffen, voll Feuer und Leidenschaft des Ausdrucks und dabei einer formalen Reife, die sich in der thematischen Geschlossenheit und teilweise polyphonen Satzweise des Kopfsatzes zeigt.
Sehr durchsichtig im Klangbild, mit fein differenzierter Dynamik und in wunderbar stimmlicher Ausgewogenheit geriet dieser Satz in der Vorstellung des Klaviertrios Würzburg, allenfalls manchmal noch etwas zu verhalten, wenn man die Vortragsbezeichnungen berücksichtigt. Dies holten die drei dann im feurigen Finale nach, das sich zu einem regelrechten romantischen Seelendrama steigerte.
Erlesene Klangkultur
Schon zuvor hatte das Trio in den zwei Mittelsätzen seine rhythmische Finesse und im langsamen Satz erlesene Klangkultur und Empfindsamkeit demonstriert.
Ebenfalls als Standardwerk romantischer Kammermusik präsentierte sich nach der Pause das bekannte „Dumky“-Klaviertrio op.90 von Antonin Dvořák. Der Name meint „Ballade“ und balladesk frei erzählend im Gegensatz zur deutschen, relativ streng geregelten Sonatenform ist auch Dvořáks Tonsprache, die in wechselnden Vortragsweisen eine Folge von suggestiven musikalischen Stimmungsbildern produzier mit Reichtum an dunklen Farben, schwermütiger Kantabilität und Wechsel von schmerzlicher Sehnsucht und musikantischer Ausgelassenheit.
Das Trio Würzburg verstand es auch oder gerade hier, in jeder Richtung das Maß zu wahren, auf grelle, vordergründige Effekte zu verzichten und in feiner Charakterisierungskunst alle emotionalen und farblichen Schattierungen des Werks auszuleuchten, ohne dabei den Gestus vital-temperamentvollen Musizierens zu vernachlässigen.
Dafür gab's langen herzlichen Beifall im Rathaussaal, der mit einer schönen Zugabe (dem langsamen Satz aus Beethovens ersten Klaviertrio) belohnt wurde.
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