Kostbare Raritäten der Trio-Literatur
Helmut Hawlata, in:
Eichstätter Kurier 27. 05. 2010
Zum letzten Konzert der Saison der Pro-Musica-Reihe kam das Würzburger Klaviertrio, das sind die Schwestern Karla Maria und Katharina Cording (Klavier beziehungsweise Violine) zusammen mit dem Cellisten Peer-Christoph Pulc, in den wohlgefüllten Spiegelsaal und demonstrierte überzeugend und bewegend die hohe Kunst des Triospielens.

Vom 19. Jahrhundert bis heute gilt diese Besetzung auch in der Hausmusik als beliebte Art des Zusammenmusizierens, obwohl die Entwicklung des modernen Konzertflügels mit seiner dominierenden Klangfülle die beiden Streicher leicht in den Hintergrund drängte. Die Würzburger Gäste erlagen dieser Gefahr keineswegs; zwar fingerfertig und gewandt bei den Passagen, die Virtuosität erforderten, fügte sich das Klavier in ein geschlossenes Klangspektrum ein und ließ je nach Erfordernis den Partnern den Vortritt.

Damit ist bereits einer der großen Vorzüge des Würzburger Ensembles angeführt: das überzeugende Zusammenspiel […]. Man achtet und hört aufeinander und so entstanden abwechslungsreiche Klangfarben, die aber nie Selbstzweck sind, sondern den Werken dienten.

Wie aus einem Guss spielen hier drei Musiker zusammen, empfinden gemeinsam und wahren doch ihre Individualität. Das Programm war drei Jubilaren des Vorjahres gewidmet: Joseph Haydn, gestorben 1809, Louis Spohr, 50 Jahre später gestorben, und Felix Mendelssohn, geboren vor 200 Jahren. Es kamen aber nicht die oft gehörten Werke der drei Jubilare zu Gehör, sondern kostbare Raritäten der Trio-Literatur. Die späten so genannten Londoner Trios, darunter das Trio in C-Dur, Hob. XV/27, zeigen Haydn in seiner vollen Meisterschaft, seine unaufdringliche Eleganz passt wunderbar zum Residenz-Spiegelsaal. Louis Spohr war lange Zeit fast vergessen, gerade seine Kammermusik wird derzeit zu Recht wiederentdeckt. Sein B-Dur-Klaviertrio op. 133 schlägt überzeugend die Brücke zwischen Klassik und Romantik, melodiös und reich verziert […].

Mendelssohns c-Moll-Trio op. 66 ist Louis Spohr gewidmet und gehört mit dem Schwesterwerk in d-Moll zu den seelenvollsten, ernsten Kammermusikwerken des Meisters. Viel „Sommernachtstraum“ -Flair im zauberhaften Scherzo und das Bach-Zitat im Abschluss-Satz gehören zum Höhepunkt des Konzerts. Als Zugabe mit einer böhmischen Dumka auf dem gleichnamigen Dvorak-Trio ließen die Würzburger Instrumentalisten nochmals schwungvoll nach einer besinnlichen Einleitung ihr ganzes Können aufklingen. Es wäre schön, wenn wir die Würzburger wieder einmal mit den ganzen Dvorak-Trio hören könnten, vielleicht mit Beethoven, Reger oder wieder Haydn? Wie dürftig wäre das Eichstätter Konzertleben ohne die Pro-Musica-Konzerte!

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