Exzellentes Trio Würzburg zeigt leidenschaftliche Hingabe
Susanne Engelbach, in:
Gießener Anzeiger 19. 07. 2010
Gleich drei Werke aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte das Klaviertrio Würzburg beim fünften Basilika-Konzert im Kulturrathaus zu Gehör. Langweilig wurde der Konzertabend deshalb jedoch keinesfalls, denn dem exzellenten Trio gelang es bravourös, die unterschiedlichen Stile der Komponisten Beethoven, Schumann und Chopin herauszuarbeiten und somit vielfältige Eindrücke beim Publikum wach zu rufen.

Das Trio, dem bereits an anderer Stelle „mitreißender Schwung“ und „temperamentvolle Virtuosität“ nachgesagt wurde, hatte sich für die Eröffnung mit Beethovens Klaviertrio op. 121 ein Werk ausgesucht, das bereits durch großen Facettenreichtum besticht. Über die düstere und bedrohliche Einleitung gelang es Katharina Cording (Violine), Peer-Christoph Pulc (Violoncello) und Karla-Maria Cording (Klavier) sofort, ihren Instrumenten den immer lebhafteren Tonfall des ersten Satzes in harmonischem Zusammenspiel zu entlocken. Die Themenfragmente, die der Komponist über ein Thema von Wenzel Müllers Singspiel „Die Schwestern von Prag“ schrieb und die er in meisterhafter Weise zu Variationen zusammenfügte, intonierten die Musiker mit leidenschaftlicher Hingabe.

Mit lebhaften Fingern und sicheren Trillern traf der Klang von Cordings Violine auf den graziösen Klang von Pulcs Cello. Jedoch war es vor allem das Piano, das immer wieder dafür sorgte, dass die gleichberechtigte Gewichtung, die Beethoven den Instrumenten zugestand, deutlich hervortrat, indem es im Tutti mal deutlich im Vordergrund stand und mal der Violine oder dem Cello den Vortritt ließ. Während die ersten Variationen in altbewährter Manier die Instrumente der Reihe nach vorstellten, folgten ins Leere laufende Auftakte und fugato-artige Motivverwendungen und humoristisch gemeinte Auseinandersetzungen zwischen Klavier und Streichinstrumenten, die das Trio mit intensiver und ausdrucksstarker Spielweise zu einem Genuss werden ließ. Mit einer ebenfalls dramatischen Eröffnung, jedoch einem völlig anderen Ausdruck begann das Klaviertrio op. 63 von Robert Schumann. Das Werk, das Clara Schumann in ihrem Tagebuch als „jugendfrisch und kräftig, dabei in der Ausführung so meisterhaft“ beschrieb und das an ihrem Geburtstag im Jahr 1847 uraufgeführt wurde, ist in der Tat leidenschaftlich und mitreißend und wurde durch die exzellente Interpretation des Trios zwar von einer gewissen Melancholie durchzogen, die Gefahr von übertriebener Emotionalität wussten die Musiker jedoch aufgrund ihrer hochsensiblen Spielweise stets zu verhindern.

Mit einem vermehrt herrschaftlichen Tonus, der besonders durch die tiefe Basslinie im Cello geprägt war, nahm das Trio Chopins Klaviertrio op. 8 in Angriff. Chopin, der in diesem Werk seine Neigung zu reichen ornamentalen Figuren zügelte und stattdessen auf Ökonomie und Präzision zu setzen schien, schuf mit diesem Trio ein expressives Werk, das weit entfernt von konventioneller Formelhaftigkeit liegt und geprägt ist von romantischer Sensibilität.

Der monothematische erste Satz, bei dem Cording am Klavier immer wieder gekonnt zwischen komplexen Themen und nur scheinbar einfachen Begleitstrukturen wechselte, beeindruckte trotz seiner tonalen Einheitlichkeit durch Vielgestaltigkeit und differenzierte Lebhaftigkeit. Der vierte Satz, in dem deutlicher die bekannte Kompositionsweise Chopins heraustritt als in den deutlich an Schubert angelehnten ersten Sätzen, erschien durch das dynamisch gespielte „Weiterreichen“ der Motive durch alle Instrumente besonders gelungen. Als Zugabe wählten die Musiker mit Dvoraks Trio op. 90 ein weiteres Werk aus dem 19. Jahrhundert, das ebenfalls großen Anklang fand.

zurück