Musikalisch-poetische Reise bietet märchenhaftes Hörvergnügen im Comoedienhaus
Andrea Pauly, in:
Hanauer Anzeiger, 21.12.2012
Märchen und klassische Musik "für Groß und Klein"? Ein spannender Brückenschlag, der verbindet und bereichert, wenn er so bezaubernd und virtuos interpretiert wird, wie am Wochenende im Comoedienhaus, wo das Klaviertrio Würzburg sowie Schriftstellerin und "Souffleuse" Cornelia Boese zur musikalisch-poetischen Reise in die geheimnisvolle Welt der Brüder Grimm geladen hatten.
Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Trio KV 564 bereiteten Katharina Cording an der Violine, Peer-Christoph Pulc am Violoncello und Karla-Maria Cording am Flügel einen gelungenen Einstieg für das erste Märchen. Bei den heiter beschwingten Passagen sah man förmlich Hänsel und Gretel durch Wald und Wiesen springen.
Cornelia Boese rezitierte im Anschluss mit klarer und differenzierter Stimme das vertraute Märchen von den beiden verloren gegangenen Kindern in von ihr verfassten Reimen, die sich wie ein seidener Handschuh zart und anschmiegsam um die Grimmschen Geschichten schlossen. Ihr Vortrag zauberte ein Lächeln auf die Lippen des Publikums, unter ihnen auch einige sehr junge Hörer.
Künstlerin Cornelia Boese, die tatsächlich schon als Opernsouffleuse tätig war und 2005 mit dem Kulturförderpreis der Stadt Würzburg ausgezeichnet wurde, kannte die drei Musiker des vielbeschäftigten und virtuosen Würzburger Trios schon aus Hochschulzeiten, als man über das Projekt Märchenkonzert ins Gespräch kam, just in dem Moment, als Boese gerade ihre Grimms-Märchen veröffentlichte.
14 Variationen Ludwig van Beethovens für Klavier, Violine und Violoncello schlossen sich an das Märchen von Hänsel und Gretel an, bevor Cornelia Boese nach der Pause "Die Wichtelmänner" interpretierte, das Märchen von den kleinen dienstbaren Geistern, die über Nacht alle liegen gebliebene Arbeit tun - auch heute noch ein Traum, dem so mancher nachhängen mag. Dann zeigte das Ensemble noch einmal einen wirklich faszinierenden Ausschnitt seines Könnens mit Antonín Dvoráks Trio "Dumky". "An manchen Stellen wird es sein wie ein ernstes Lied, an anderen wie ein fröhlicher Tanz", beschrieb Dvorák im Jahre 1890 einem Freund dieses Werk. Tatsächlich bezeichnet "Dumka" - Mehrzahl "Dumky" - eine slawische Tanzform mit auffälligem Wechsel zwischen melancholischen und tänzerisch-ausgelassenen Abschnitten. Immer wieder taucht die Dumka im Kammermusikwerk Dvoráks auf; jedoch stets nur als einzelner Satz. Die ungewöhnliche Form dieses Klaviertrios reiht sechs Dumky aneinander, jede mit sehr eigenwilligem Charakter und großer Ausdruckskraft.
Das feinsinnig abgestimmte Zusammenspiel der drei Musiker zeigte sich hier besonders auch in den leisen Passagen, wo die emotionale Vielschichtigkeit dieses Werkes einfühlsam und hinreißend interpretiert wurde.
Mit dem "Sterntaler-Märchen" von Cornelia Boese endete dieser in jeder Hinsicht märchenhafte Spätnachmittag am vierten Advent.